Stellungnahme des Thüringer Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V.
Sehr geehrter Herr Schurzmann,
vielen Dank für die Möglichkeit, auch touristische Aspekte in die Diskussion um die Gebietsreform einzubringen. Der Thüringer Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V. bewirbt die touristische Marke Saaleland. Das Verbandsgebiet umfasst die Stadt Jena, den Saale-Holzland-Kreis, die Stadt Bad Köstritz und die Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel sowie einzelne touristische Leistungsträger in anderen Landkreisen.
Mit der Stadt Jena verfügt der Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V. über ein Mitglied, welches - aus gutem Grund - gesondert zu betrachten ist. Die Stadt Jena gehört mit den Städten Erfurt, Weimar und Eisenach zu den Hauptzielorten des Thüringer Städtetourismus. Die Stadt Jena verfügt über ein hochwertiges, vielfältiges und ganzjähriges kulturelles Angebot. Auch ohne Image- und Bekanntheitsanalyse ist davon auszugehen, dass die Stadt Jena im Vergleich zum Thüringer Saaleland einen deutlich höheren - vor allem auch internationalen - Bekanntheitsgrad aufweist.
Das Saaleland als Gesamtregion ist ein Raum, der sich für eine langfristige, Erfolg versprechende, nachhaltige Entwicklung als Tourismusregion und damit zur Etablierung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor eignet. Die Übernachtungszahlen und Ankünfte belegen die touristische Bedeutung der Region. Die geschaffene touristische Infrastruktur gilt es gemeinsam zu entwickeln und gezielt zu vermarkten. Durch die bisher separierten touristischen Strukturen der Stadt Jena und des Saalelandes konnte nach unserer Ansicht nicht das gesamte touristische Potenzial der Region ausgeschöpft werden. Die bestehende Kooperation im Bereich des Marketings gilt es zu optimieren sowie finanzielle und personelle Ressourcen gezielt zu bündeln.
Der Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V. arbeitet mit JenaKultur bzw. der Stadt Jena und auch den Landkreisen Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt bzw. deren touristischen Organisationen an der Entwicklung der Themen Wasserwandern auf der Saale und dem Saaleradweg in unterschiedlicher Intensität zusammen.
Darüber hinaus gibt es eine intensive Kooperation mit JenaKultur zur Entwicklung und Vermarktung des Qualitätswanderwegs SaaleHorizontale und des Radfernweges Thüringer Städtekette. Auch im Rahmen verschiedener Marketingaktionen, in der Information unserer Gäste und der Zimmervermittlung arbeiten wir bereits zusammen.
Im Rahmen des Pilotprojektes zur Optimierung der touristischen Organisationsstrukturen -beauftragt durch das Thüringer Wirtschafstministerium - wurden in den Jahren 2014 und 2015 verschiedene Schwerpunktthemen für die touristische Vermarktung des Saalelandes einschließlich der Stadt Jena aufgezeigt - StadtLandKultur, Saale aktiv, Gesundheit & Wellness. Die Themensäule „StadtLandKultur“ und das identifizierte Topthema „Lichtstadt Jena“ gilt es gemeinsam mit Jenakultur weiterzuentwickeln und inhaltlich auszugestalten.
Generell haben wir unterschiedliche Ausgangssituationen in der Thüringer Saale-Region. In der Stadt Jena und in unserem Verbandsgebiet können wir auf stärkere touristische Organisationsstrukturen zurückgreifen. Wir verzeichnen stetig steigende Gäste- und Übernachtungszahlen. Stagnierende bzw. rückläufige Gäste- und Übernachtungszahlen in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla-Kreis zeigen, dass diese im touristischen Wachstumsmarkt Deutschland weiter Marktanteile verliert. Dies resultiert insbesondere daraus, dass infolge einer Zersplitterung der Kräfte und Mittel den Anforderungen der heutigen Markt- und Wettbewerbssituation an eine touristische Destination (bzw. Reisegebiet) nicht Rechnung getragen werden kann.
Gelingt es nicht mit allen gemeinsam, diese Situation sehr rasch grundlegend zu verändern, droht ein Wegbrechen erheblicher Teile des Gastgewerbes sowie weiterer Bereiche der Tourismuswirtschaft, die ohnehin aufgrund verschiedener Faktoren hart zu kämpfen haben (Fachkräftemängel, altersbedingte Nachfolgeprobleme bei Betriebsinhabern, Energiekostensteigerungen). Es besteht die ernste Gefahr, dass die gesamte Saale-Region infolge dessen in einen Abwärtsstrudel gerät, der nur sehr schwer aufzuhalten sein wird.
Zur Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen für eine Trendwende der touristischen Entwicklung wird es als unbedingt erforderlich angesehen, die Kräfte und Mittel entlang der Thüringer Saale konsequent zu bündeln und dafür eine geeignete Organisationsstruktur zu schaffen.
Eine gemeinsame Organisationsstruktur entlang der Thüringer Saale macht jedoch nur Sinn, wenn diese mit den erforderlichen personellen und finanziellen Mitteln ausgestattet wird. Hierzu gilt es, die verfügbaren Mittel in der zu findenden Struktur optimal zu bündeln. Dabei werden die bisher von den Landkreisen für die Förderung des Tourismus aufgewendeten Mittel allein nicht ausreichen, um die Gäste- und Übernachtungszahlen entsprechend zu steigern. In der Tourismuskonzeption für das Saaleland haben wir die Vision beschrieben (Siehe PDF).
Sollte die Gebietsreform einen entscheidenden Beitrag auf dem Weg zur Verwirklichung unserer touristischen Vision leisten, so wäre das ein guter Schritt in die richtige Richtung. Unser Vorstandsvorsitzender Harald Kramer ist gern bereit, sich im Rahmen des Kreistages – auch vor dem Hintergrund der touristischen Entwicklung – in die Diskussion um die Gebietsreform einzubringen.
Dateien
- Stellungnahme_Tourismusverband_20170220.pdf
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