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Max Viereck

Vom Regenbogenfamilientag und warum er auch 2022 dringend notwendig ist!

Ein Redebeitrag von Max Viereck (Stadtrat Eisenberg) anlässlich des Regenbogenfamilientages am 1. Mai 2022 und dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai 2022.

Ich möchte die folgenden Zeilen nutzen, um abseits der Bedeutung der Feierlichkeiten zum 1. Mai, eine andere wichtige Thematik in den Vordergrund zu rücken. Der 1. Mai ist dieses Jahr tatsächlich nicht nur der Tag der Arbeiterbewegung, sondern auch der internationale Regenbogenfamilientag oder auch International Family Equality Day (IFED) genannt, der nunmehr seit 10 Jahren an jedem ersten Sonntag im Mai gefeiert wird.

Vielleicht sollten wir dazu allerdings an erster Stelle klären, welche Bedeutung der Begriff „Regenbogenfamilie“ innehat.

In der Öffentlichkeit wird eine Regenbogenfamilie oft als Synonym für ein lesbisches oder schwules Paar angesehen, welches Kinder adoptiert hat. Eine zu kurz gefasste Beschreibung, denn die Realität ist viel diverser. Unter Regenbogenfamilien werden Familien verstanden, in denen mindestens ein Elternteil trans – oder intergeschlechtlich ist, lesbisch oder schwul, aber eben auch bisexuell oder queer. Das kann dann ein geouteter Vater sein, der durch sein Trans - Comingout zur zweiten Mutter wird oder die Mutter, die eine andere Frau liebt oder ein lesbisches oder schwules Paar, das durch Samenspende zu Eltern geworden ist oder, oder, oder...

Doch warum ist es selbst heute noch wichtig diesen Tag zu feiern und die Thematik aufzugreifen?

Auch im Jahr 2022 sind Regenbogenfamilien jeden Tag rechtlichen Diskriminierungen ausgesetzt, auch wenn sie die gleichen Bedürfnisse wie andere Familien haben, anerkannt und wertgeschätzt werden wollen und sich nicht erklären und rechtfertigen müssen.

Sie besitzen noch immer nicht die Rechte, die sie brauchen, um von Anfang an als Familie abgesichert zu sein und diskriminierungsfrei zu leben. Gerade im Abstammungs- und Familienrecht geht das zu Lasten der Versorgung und Absicherung der Kinder, die dort aufwachsen. Außerdem sind die Eltern vielen Herausforderungen ausgesetzt, die auch aus dieser Ungleichbehandlung entstehen. Sei es bei Hürden der Kinderwunscherfüllung, dem Bemühen des Starkmachens der Kinder gegenüber möglichen Diskriminierungserfahrungen oder dem alltäglichen Bewährungsdruck, sich als mindestens gleichwertige Familienform beweisen zu müssen. Hier scheint es dank unserer neuen Bundesregierung einen Hoffnungsschimmer zu geben, die eine Reform im Familienrecht dahingehend vornehmen will, dass unteranderem zwei miteinander verheiratete Frauen in Bezug auf Kinder, rechtlich künftig genauso behandelt werden sollen, wie ein gemischt geschlechtliches Paar. 

So weit so gut.

In der Gesellschaft reicht das allerdings bei weitem nicht. Vorbehalte gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, gerade im Kontext von Familie und dem Aufwachsen von Kindern, halten sich hartnäckig. In rechtspopulistischen Debatten werden Regenbogenfamilien nach wie vor diffamiert und in der Schule erleben (wissenschaftlich nachgewiesen) Kinder aus Regenbogenfamilien die meisten Diskriminierungserfahrungen. 

Hier gilt es weiterzukämpfen und veralteten Argumenten entgegenzuwirken. Viele internationale Studien belegen: Weder eine Kindeswohlgefährdung noch andere Nachteile entstehen Kindern in Regenbogenfamilien. In Deutschland kam bereits 2009 eine Studie zum Ergebnis das Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, es mindestens genauso gut geht wie Kindern, die in gemischt geschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen. Kinder brauchen ein gutes Familienklima und gute Beziehungen zu denen, die für sie sorgen. Das Geschlecht dieser Person(en) spielt dabei keine Rolle.

Neben diesem Aspekt gilt es außerdem im schulischen Bereich die Sichtbarkeit der Regenbogenfamilien zu erhöhen. Kinder aus diesen Familien finden ihre Familienwirklichkeit mehrheitlich weder in Schulbüchern noch im pädagogischen Alltag wieder. So gehören Kinderbücher, die die Vielfalt von Liebes- und Lebensformen in Deutschland widerspiegeln, nach wie vor nicht zum Standardrepertoire unserer Kitas. Dabei ist die Schule ebenso wie die Kita ein Ort der Wertevermittlung, an dem gesellschaftliche Normen verfestigt oder in Bewegung gebracht werden. Nur wenn Bücher in Schule und Kita Bilder von vielfältigen Lebens- und Liebeswelten vermitteln, können sich alle Kinder und Jugendliche mit dem Eigenen dort identifizieren und mit Fremdem vertraut machen.

Und hier schließt sich der Kreis. Es gilt auch weiterhin, unteranderem heute den Internationalen Regenbogenfamilientag zu feiern, um auf die Wichtigkeit der Ungleichheiten aufmerksam zu machen und um diesen Familien zu helfen. Ich möchte den Eltern aus Regenbogenfamilien mitgeben und die Angst nehmen, dass Sie nicht allein sind und bei Schwierigkeiten oder Problemen lokale Familien- oder Erziehungsberatungsstellen aufsuchen können. Wenn Sie die Sorge haben, dass Berater_innen zu wenig über ihre Familienform wissen und ihnen mit Vorbehalten begegnen könnten, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Regenbogenportal aufbereitet und stellt im Familienportal immer weitere Informationen und Beratungsangebote bereit. Hier erfahren sie auch, welche Familienleistungen ihnen zustehen.

In diesem Sinne möchte Ich Sie alle an das diesjährige Motto des Regenbogenfamilientages erinnern:  Die Gleichstellung von Familien geht jeden etwas an.

Und Sie dazu aufrufen, die Vielfalt von Familien zu zelebrieren, um Diversität auf diese Weise sichtbarer zu machen.

Gleichwohl soll auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass viele Regenbogenfamilien noch immer Diskriminierung ausgesetzt sind, gegen die es aktiv gemeinsam vorzugehen gilt. 

Wir konnten in den letzten Monaten bereits mit Anträgen unserer Fraktionen erste Erfolge im SHK und der Kreisstadt Eisenberg feiern und durch das Hissen der Pride Flagge an Verwaltungsgebäuden, die Aufmerksamkeit der LSBTIQ+ Community stärken. Allerdings ist dies erst nur ein erster Schritt und es ist auch bei Regenbogenfamilien noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung. Gehen wir es an!

 

Max Viereck

 

 

 

 

Quellen:

https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/regenbogenfamilien

https://www.regenbogenportal.de/informationen/regenbogenfamilien

https://www.regenbogenportal.de/informationen/aktuelle-herausforderungen-fuer-regenbogenfamilien

https://www.lsvd.de/de/ct/817-gleichgeschlechtliche-eltern-studien-ueber-kinder-in-regenbogenfamilien


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