Als „völlig haltlos“ bezeichnet Mike Huster, stellvertretender Vorsitzender
der Fraktion DIE LINKE im Geraer Stadtrat, die Erklärung von Frau Thiel,
Fraktionsvorsitzende der Wählervereinigung „Arbeit für Gera“ zur Rede des
Oberbürgermeisters Dr. Norbert Vornehm zum Neujahrsempfang der Stadt Gera:
„Resignieren kann man nur bei den Äußerungen von Frau Thiel.
Es ist völlig unverständlich, wie Frau Thiel aus dem in der OTZ erwähnten
Zitat
„Ich stehe für Gestalten! Lassen Sie uns also weiter gestalten. Nicht
abwarten. Nicht nur reden. Auch auf die Gefahr hin, dass mal was daneben
geht, dass nicht alles gelingt. Nehmen wir die Veränderungen bewusst an. Wie
es unsere Vorfahren immer wieder getan haben. Meine Kollegin aus Mülheim an
der Ruhr, Dagmar Mühlenfeld, hat das für ihre Stadt, die sicherlich nicht
vor geringeren Herausforderungen steht als wir, kürzlich auf den Nenner
gebracht: „Wir werden weniger, älter, bunter“.
Ja genau, was ist schlimm d’ran? Leiden Sie darunter, dass Ihre
Lebenserwartung deutlich gestiegen ist? Raten Sie Ihren Kindern ernsthaft,
ihre Ausbildung hinten an zu stellen, um so schnell wie möglich für
Nachwuchs zu sorgen? Was spricht denn gegen Offenheit, gegen Zuwanderung von
woanders her? Weshalb wollen wir ängstlich das Vergangene festhalten anstatt
das Neue gestalten? ...“ die Feststellung treffen kann, „dass sich der OB Dr. Vornehm, mit den
Tatsachen der Bildungs-, Alters- und Beschäftigungsstruktur in Gera
abgefunden hat…“. Für die Stadt Gera, die von 1990 bis 2005 eine sinkende
Einwohnerzahl von 130.000 auf 104.000 zu verzeichnen hatte, gilt, dass seit
Jahren der demografische Wandel aktiv gestaltet wird: Haushalt,
Verwaltungsreform, Flächennutzungsplan, Gewerbeflächenkonzept,
Schulentwicklungsplanung, Kulturkonzeption, Innenstadtkonzeption,
Entwicklungskonzept Wohnen, Sportentwicklungsplan und so weiter und so fort.
Was beständig die Diskussion um diese sicher nicht immer leicht zu
treffenden Entscheidungen begleitet, ist das Wehklagen von Frau Thiel, ohne
auch nur einen konstruktiven Vorschlag zu machen.
Der industrielle Kahlschlag in Gera nach der Wende ist geschehen und eine
Tatsache. Der Verlust einer Generation in dessen Folge auch. Dem
Nachzujammern bringt uns nicht weiter. Wir müssen gestalten, um wieder zu
wachsen. Seit einigen Jahren ist die wirtschaftliche Substanz der Stadt aber
am Erstarken, was sich auch bei guter konjunktureller Lage an den deutlich
gestiegenen Gewerbesteuereinnahmen zeigt. Die Abwanderung ist gestoppt, Gera
erstarkt beim Tourismus, wie die Marke von 200.000 Übernachtungen im Jahr
2011 beweist. Das sichert Arbeitsplätze und Kaufkraft. Das Setzen auf Kunst
und Kultur zahlt sich aus.
An den Beispielen zeigt sich, dass wir aktiv gestalten und attraktiver als
Stadt geworden sind. Veranstaltungen und Feste haben einen enormen
Qualitätsgewinn erbracht, Besucher aus nah und fern wissen das zu würdigen.
Und wenn es Klagen gibt, dann die, dass zu viel Leute da sind und nicht zu
wenige, wie beispielsweise bei der Eröffnung des Märchenmarktes. Frau Thiel
sollte zur Kenntnis nehmen, dass sich die Stadt Gera viel lebendiger
entwickelt hat, als sie das offenbar wahrzunehmen in der Lage ist. Stolz
erzeugt man nicht mit permanentem Jammern, sondern mit Zielstrebigkeit und
Beharrlichkeit“, so Mike Huster abschließend.